Kaffee als Börsenprodukt

Kaffeebörse, Investoren, Spekulation – das kostet die Tasse am Morgen

Ob schwarz oder mit Milch, ob warm oder kalt – Kaffeetrinken wird weltweit immer beliebter. In Deutschland trinken wir sogar mehr Kaffee als Bier oder Wasser! Auf rund zehn Millionen Hektar werden weltweit circa 129 Millionen Säcke Rohkaffee à 60 kg im Jahr angebaut. Das meiste davon geht in den Export. Brasilien hat dabei ganz klar die Nase vorn. Im vergangenen Jahr wurden von dort 37 Millionen Säcke in den Rest der Welt verschifft. 

Es gibt unterschiedliche Wege, wie die Bohne zur Rösterei und letztendlich in den Handel gelangt. Der Preis aber wird an der Kaffeebörse bestimmt.

Kaffeebörse – Warenhandel in der Wolke

Kaffee ist die am zweithäufigsten gehandelte Ware. Das Einzige, was an der Börse noch beliebter ist, ist Öl. Weltweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt rund drei Milliarden Säcke Kaffee gehandelt – wirklich verkauft wurden allerdings nur 160 Millionen. Das liegt daran, dass an der Kaffeebörse nur mit sogenanntem Papierkaffee bzw. Warenterminkontrakten gehandelt wird.  

Die Transaktionen finden virtuell an den internationalen Kaffeebörsen in London und in New York statt. An der „Euronext“ in London werden ausschließlich Robusta-Kaffees gehandelt, die überwiegend in Afrika und Asien angebaut werden. Die „Intercontinental exchange” (ICE) in New York hat sich auf Arabica-Kaffees aus z.B. Süd- und Mittelamerika spezialisiert. Auch kleinere internationale Börsen haben Kaffeebohnen im Angebot, wie Singapur (Robusta-Kaffees), die Commodities & Futures Exchange in Brasilien (Arabica) und die Tokyo Grain Exchange, die beide Kaffeesorten auf der Liste hat. Der Wert des Muntermachers wird allerdings auf dem US- und dem europäischen Marktplatz bestimmt. 

Um mehr Planungssicherheit zu haben, kaufen viele große Unternehmen ihren Kaffee schon mehrere Monate im Voraus. Bezahlt wird allerdings erst nach der Lieferung. Ein Verfahren, das allerdings zunehmend in die Kritik gerät, denn viele Kaffeebauern müssen deswegen während der Ernte in Vorleistung gehen, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Zudem können sie ihre Preise nicht zeitnah anpassen, wenn etwa die Ernte schlecht ausfällt oder der Marktwert von anderen lebenswichtigen Gütern, wie z.B. Weizen, ansteigt. 

Das ist ein Grund, warum viele Röstereien mittlerweile lieber Direct Trade betreiben und mit ausgesuchten Kaffeebauern Geschäfte machen. Das ist u.a. auch der Ursprung der Organisation Fairtrade Deutschland, die es sich zum Ziel gesetzt hat, bessere Mindestpreise für ihre Produkte zu zahlen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zu schaffen.

Eine Tasse Kaffee: Ein begehrtes Handelsgut

Gehandelt wird Rohkaffee ausschließlich in Dollar und pro US-Pfund, das entspricht 453 Gramm. Somit ist für Europäer nicht nur der Preis an der Börse, sondern auch der Wechselkurs von Bedeutung. Zudem wird nur die sogenannte Standardqualität gehandelt. Der Preis für Edelkaffees wird anders gebraut, aber der Börsenwert ist immer ein guter Indikator. 

An der Kaffeebörse rechnen Experten derzeit mit einer positiven Preisentwicklung von Rohkaffee in den kommenden Jahren. Während der Preis pro Pfund im Jahr 2016 unter 1,45 Euro-Cent bleiben soll, könnte man 2019 schon bis zu 1,65 Cent pro Pfund Kaffee zahlen. Einerseits sind das Wetter und die schlechte Ernte schuld. Denn zum ersten Mal in 22 Jahren hatte es in Brasilien tatsächlich eine Frostwarnung gegeben und generell hielt sich der Winter länger als sonst. Auch in den Robusta-Anbauländern in Afrika und Asien rechnet man mit einer eher geringen Ernte. 

Andererseits steigt trotz der geringen Verfügbarkeit bei internationalen Geldgebern der Kaffeedurst. Insbesondere in China, wo man in den Rohstoff investiert und den Preis nach oben drückt. Derzeit wird rund 20-mal so viel Kaffee hin und her verkauft, wie überhaupt geerntet. Und die Tendenz ist seit Jahren steigend. Wie sich das letztendlich für die Konsumenten bzw. den Handel auswirkt, bleibt abzuwarten.