Hamburger Verbot von Kapsel-Kaffee

In einem neuen, umfassenden Regelwerk für Mitarbeiter,  Angestellte und Beamte der Stadt Hamburg, legt die Hansestadt ein Verbot des Erwerbs von Kaffee-Kapseln auf Kosten der Stadt fest. Somit dürfen aus dem Stadthaushalt keine Kapseln mehr gekauft werden.

Kaffee-Kapsel Verbot längst überfällig

Das Regelwerk wurde im Januar 2016 herausgegeben und gilt als Leitfaden zur umweltverträglichen Beschaffung. Dieser 150-seitige Leitfaden beinhaltet natürlich noch viele weitere Punkte, jedoch ist gerade der Abschnitt über Kaffee-Kapseln hoch interessant. Selbstverständlich ist es den Mitarbeitern der Stadt erlaubt, weiterhin auf der Arbeit Kapsel-Kaffee zu trinken, eben nur nicht mehr auf Stadtkosten.

Die Hansestadt Hamburg gilt als eine der Kaffeestädte und Umschlagplätze schlechthin, schließlich gibt es hier eine sehr lange Kaffeetradition. Zahlreiche Röstereien haben hier ihren Sitz und auch Tchibo hat ihre erste industrielle Rösterei in dieser Stadt eröffnet. Klar ist, dass dadurch natürlich auch eine Vorbildfunktion für den Umgang mit Kaffee und Kaffeeprodukten einhergeht. Und diese Vorbildfunktion könnte einen Trend bewirken.  So hoffen es zumindest viele Gegner der Kaffee-Kapseln, jedoch erfreuen sich die praktischen Kapseln großer Beliebtheit, weshalb mittlerweile so ziemlich alle industriellen Marken mit auf das Pferd gesetzt haben und munter produzieren.

Kaffee-Kapseln, das gigantische Müllproblem

Jedoch sind schon seit langem die gigantischen Müllprobleme, die mit Kaffee-Kapseln einhergehen, bekannt. Allein in Deutschland werden laut ZDF-Dokumentation "Wie gut ist unser Kaffee?" 2.000.000.000 Kapseln pro Jahr getrunken und verursachen dabei einen Müllberg von 4.000 Tonnen. Pro Jahr! In Kilogramm ausgedrückt ist das eine 4 mit 6 Nullen! Man könnte versuchen, sich den Müllberg vorzustellen, wenn man einfach mal 1kg Kapseln aufhäuft...
Wie mit den Abfällen verfahren werden soll und wo dieser Müllberg hin soll, weiß niemand. Auch ist das Recycling der Kapseln schlicht weg nicht wirtschaftlich umsetzbar, da die Kapseln, bestehend aus Aluminium und Kunststoff, völlig verunreinigt sind und daher zunächst gesäubert werden müssten. Was sich am Ende des Tages einfach nicht rechnet. Daher landen diese einfach auf dem Müll.

Das Ignorieren des Problems…

…sowohl seitens der Industrie als auch vom Verbraucher, scheint seit längerer Zeit gängige Praxis zu sein. Auch die frühere Argumentation der Industrie, man könne die Kapseln einfach recyceln, ist komplett aus der Luft gegriffen und entsprach nie den Tatsachen. Jean Paul Gaillard, Erfinder der Nespresso-Kapseln und Vorstandschef von Nespresso Ende der 1980er Jahre, gibt dies auch im ZDF-Interview offen zu. Er sagt ganz deutlich, dass das Problem immer bekannt war und niemand davon ausging, den Müll durch Recycling in den Griff zu bekommen. Für ihn als Betreiber eines eigenen Kapsel-Kaffee-Unternehmens ist das eines der großen Fragezeichen die hinter diesen Produkten stehen.

Was du tun kannst gegen den Kapsel-Wahn

Vielen Konsumenten ist es schier nicht bewusst, dass sie umgerechnet mindestens 60€ für ein Kilo minderwertigen Industriekaffee bezahlen. Und das ausschließlich der Bequemlichkeit oder dem Style geschuldet. Nespresso-Kapseln wurde laut seiner Erfinder eigentlich dazu geschaffen, narrensicher einen Espresso zubereiten zu können. Anschließend wurde diesem Produkt noch das Gewand des Luxus übergezogen, um ein hochwertiges Produkt vorzugaukeln. Jedoch muss man sagen, dass zum einen die Espressozubereitung nach etwas Übung nicht schwer ist, und zum anderen man für den gleichen Preis 2-3kg eines erstklassigen Espresso kaufen kann, der solche Industrie-Kaffees locker in den Schatten stellt.  Und das sollte doch zu denken geben.