Fairer Handel und gerechte Bohnen

Fairtrade revolutioniert den Kaffeehandel

Insbesondere beim Kaffee achten die Deutschen immer mehr auf das Fairtrade-Logo. Seit 2003 steigt der Absatz von Fairtrade-Kaffee hierzulande stetig an. Mehr als 16.000 Tonnen wurden in der Republik im Jahr 2015 verkauft, was einem Wachstum von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es gibt mehrere Siegel, die das Thema vorantreiben, z.B. die Rainforest Alliance und Fairtrade. Alle bekennen sich zu den zentralen Prinzipien für Fairen Handel, haben aber meist auch einen besonderen Fokus.

Fairtrade aus Prinzip:  Internationale Zusammenschlüsse schaffen Standards

Schon in 2001 definierte das FINE Netzwerk, ein Zusammenschluss der vier internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels, Fairtrade in seinem Grundpapier als „eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.“ 2009 einigten sich das Netzwerke Fairtrade International und die World Fair Trade Organisation (WFTO) zudem auf eine  „Charta der Prinzipien des Fairen Handels“, die zehn Richtlinien klar definiert.

Es gilt u.a., dass der Preis für die gehandelte Ware vom Produzenten und Händler gemeinsam festgelegt wird und, dass dem Bauern die nötigen Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit dieser seien Gewinn auch selbstständig aushandeln kann. Gleichzeitig soll Fairtrade Chancen für die Produzenten schaffen und zur Armutsbekämpfung sowie nachhaltiger Entwicklung beitragen. Auch gerechte und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen und Umweltschutz sind Grundbausteine für Fairtrade.

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sind Transparenz und Gerechtigkeit. Organisationen des Fairen Handels sollen im Markt nicht miteinander konkurrieren, sondern kooperieren, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Denn mit Fairtrade-Produkten soll nicht etwa maximaler Gewinn erwirtschaftet, sondern Vertrauen und Solidarität am Weltmarkt gefördert werden. Das gilt für den Händler, der einen angemessenen Preis für den Kaffee bietet und pünktlich zahlt, aber auch den Kaffeeproduzenten, der seine Ware zum vereinbarten Zeitpunkt und in vereinbarter Qualität liefert.

Fairtrade im Kaffee-Business: Was bringt die gerechte Bohne?  

Auch wenn die einzelnen Fairtrade-Organisationen alle einen anderen Fokus auf z.B. Arbeitsbedingungen oder die Umwelt haben, funktionieren sie ähnlich. Fairtrade ist bei weitem das größte Produktsiegel und war 2015 für fast 80 Prozent des weltweiten Fairen Handels verantwortlich.

Das Siegel arbeitet mit Produzentenorganisationen rund um die Welt, die gewisse Standards im Bereich Arbeitsbedingungen oder Umweltschutz erfüllen. Im Gegenzug stellt das Label sicher, dass die Kooperativenverbände den vereinbarten Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommen. So gehen der Zusammenschluss der Produzenten aber auch die einzelnen Bauern nicht leer aus.

Darüber hinaus unterstützt die Initiative die Gründung von Kooperationen, die oft gar nicht existieren könnten, wenn ihre Geschäftsführung nicht von extern finanziert werden würde. Dabei haben Produzentenorganisationen für die beteiligten Bauern erhebliche Vorteile. Ein Zusammenschluss stärkt z.B. die Verhandlungsbasis gegenüber Käufern massiv und gibt Kaffeebauern einen besseren Zugang zum Weltmarkt– ganz im Sinne der Charta-Richtlinien. Und wenn die Geschäfte mal nicht rund laufen und die Kaffeepflanzen etwa wegen einer Dürre nur wenig hergeben, können die Kaffeebauern über die Produktsiegel einerseits günstige Kredite bekommen und andererseits einen höheren Preis für ihre Ware aushandeln.

Die Bildungsarbeit, die Organisationen des Fairen Handels in Deutschland betreiben, scheint ganz und gar nicht unter einer Dürre zu leiden. Weil dadurch immer mehr Käufer die erste Tasse Kaffee am Morgen gewissenhaft genießen wollen, sind viele auch bereit ein paar Cent mehr pro Kilo zu bezahlen. Dabei ist der Preisunterschied im Handel oft gering. Aber ein gutes Gewissen und ein gerechter Weltmarkt sind dann doch viel wert.