Kaffeeanbau - Von der Aufzucht bis zur Ernte

Erfahre alles Wichtige über den Anbau von Kaffeepflanzen. Du erfährst hier alles über die einzelnen Phasen des Kaffeeanbaus, von der Vermehrung, über das Wachstum der Kaffeepflanze, bis hin zur Ernte.

Die folgenden Punkte sollen einmal näher beleuchtet werden, um dir ein Gefühl dafür zu geben, was der Kaffeeanbau bedeutet und wie er unter schwierigen Bedingungen rund um den Äquator vonstattengeht.

Kaffeepflanzen anbauen - Vermehrung, Pflanzenwachstum und Ernte 

  • Kaffeeanbau ein Knochenjob
  • Wie wird denn Kaffee nun genau angebaut?
  • Das Vermehren der Kaffeepflanze
  • Die Aussaat der Kaffeebohnen
  • Kaffeepflanzen als Setzlinge (Stecklinge) vermehren
  • Das Wachstum der Kaffeepflanze
  • Das optimale Klima und die optimalen Bedingungen für die Kaffeepflanzenzucht
  • Die Ernte der Kaffeepflanze
  • Was passiert nach der Ernte
  • Kann man Kaffeepflanzen auch Zuhause züchten?

Kaffeeanbau - ein Knochenjob 

Der Anbau der Kaffeepflanze ist nicht so einfach wie sich das wohl viele Menschen denken mögen. Immerhin wird Kaffee in Deutschland getrunken, als wenn er einfach nur aus dem Brunnen geschöpft werden müsste. Allerdings ist der Anbau ein anstrengendes Unterfangen, das wirklich harte Arbeit von seinen Bauern abverlangt. Und wenn man sich vorstellt, wie hoch, oder besser gering, die Ausbeute für die Bauern ist, ist es eigentlich unverständlich, dass Kaffee, und vor allem Industriekaffee, so günstig angeboten wird.  Die Plantagen liegen meist in ärmeren Ländern, rund um den Globus verteilt, sodass hier teilweise nur Cent-Beträge für ein Kilo geerntete Kaffeekirschen bezahlt wird. In anderen Ländern wie z.B. Jamaica, kostet der Kaffee auch gleich ein Vielfaches von dem was in beispielsweise Nicaragua bezahlt wird. Und das liegt größtenteils am unterschiedlichen Lohnniveau dieser Länder. Über die Qualität sagt das eigentlich nicht viel aus. Kurzum: Es liegt an uns ob die Kaffeebauern für ihre Arbeit auch gerecht entlohnt werden.

Aber kommen wir zurück zum eigentlichen Thema: dem Kaffeeanbau.

Wie wird Kaffee denn nun genau angebaut?

Zunächst muss man den Kaffeeanbau erst einmal in unterschiedliche Phasen einteilen, die ihre ganz eigenen Feinheiten haben, auf die man besonders Acht geben muss.

Die unterschiedlichen Phasen sind

  • das Vermehren durch Aussaat oder durch Setzlinge
  • die Wachstumsphase bis zur Reife
  • die Erntephase der reifen Kirschen.

 

Im Anschluss müssen die Bohnen allerdings noch weiter verarbeitet werden, damit am Ende ein ausgezeichneter Kaffee entstehen kann. Welche weiteren Schritte bei der Verarbeitung vonnöten sind, erfährst du später in unserem Bericht zur Kaffeeverarbeitung.

Das Vermehren der Kaffeepflanze

Die Vermehrung der Kaffeepflanze kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen. Entweder durch einfache Aussaat der Kaffeebohnen oder durch das Setzen von Stecklingen. Beide Methoden möchte wir einmal darstellen und die Eigenschaften der verschiedenen Weisen, Kaffeepflanzen zu vermehren aufzeigen.  

So ist z.B. durch die Aussaat der Bohne niemals zu 100% garantiert, dass die neue Pflanze keine Mutation, z.B. durch Kreuzung aufweist. Das kann Vor- wie Nachteile haben. Denn möchte man verschiedene Arten und somit ihre Eigenschaften kreuzen, so muss man die Pflanzen bestäuben und anschließend Bohnen der Pflanze verwenden. Durch Bestäubung mit dem Pollen anderer Pflanzen können Arten gekreuzt und somit neue Arten kreiert werden. Allerdings ist man auch vor Fremdbestäubung durch Wind und Insekten nicht geschützt, was ungewünschte Kreuzungen zur Folge haben kann. Ca. 6 bis 8  Monate nach der Bestäubung treibt die Pflanze die Kirschen und somit die neue Generation Kaffeepflanzen aus, die dann zur Aussaat verwendet werden können. Bei Coffea Canephorea, also Robusta, kann es durchaus 9 bis 11 Monate dauern bis die Früchte reif zur Ernte sind.

Beim Setzen von Stecklingen kann man zu 100% sicher sein, dass die neu gesetzte Kaffeepflanze ausschließlich die Eigenschaften der Mutterpflanze hat. Immerhin handelt es sich praktisch um einen Klon, der nicht durch Kreuzung mit einer anderen Pflanze entstanden ist. 

Die Aussaat der Kaffeebohnen

Das Aussähen gilt als die einfachste Form der Vermehrung einer Kaffeepflanze. So werden hierbei "lediglich" die tauglichen Saatbohnen von den Untauglichen getrennt um sie anschließend auszubringen. Das Trennen von geeigneten und ungeeigneten Bohnen erfolgt nach dem Schälen aus den Kirschen über einem Wasserbad. Beim "Entkernen" der Kaffeekirsche muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Pergamenthaut auf den Kirschen bleibt. Für die Aussaat wird diese allerdings dann entfernt.

Auch interessant: Es gibt auch Kaffeesorten die mit der Pergamenthaut aber auch mit geringem  Anteilen von Fruchtfleisch getrocknet werden. Dadurch erhält die Bohne ein leichtes Honigaroma. Der Kaffee Santa Elena aus Costa Rica von der Murnauer Kaffeerösterei wird z.B. mit diesem Verfahren hergestellt.

Die guten (Kaffeebohnen) ins Töpfchen...

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Eine Art herauszufinden, ob eine Bohne für die Aussaat geeignet ist, ist das Wässern. Beim Wässern stellt sich schnell heraus ob eine Kaffeebohne für die Aussaat geeignet ist. Schwimmt sie oben, ist sie nicht geeignet. Geht die Bohne unter, so kann man diese verwenden. Das gleiche Verfahren, Schwimmtest genannt, wird mit ziemlich vielen Pflanzenarten aus der Heim- und Gartenwelt, bzw. Samenarten vorgenommen, wenn man aus einem Samen eine neue Pflanze züchten möchte. Das Prinzip ist ganz einfach: Hat ein Samen genügend Nährstoffe sind diese schwer genug und gehen unter. Samen mit zu wenigen Nährstoffen schwimmen an der Oberfläche und können entfernt werden. Dieser Test ist jedoch nicht überall üblich.

Sind die richtigen Bohnen selektiert, so können diese ausgebracht werden. Dabei wird darauf geachtet, dass die Samen in Böden mit ausreichenden Nährstoffen gesät werden. Die Bohnen werden dabei nur leicht mit Erde bedeckt bzw. ohne Pergamenthülle in die Erde gedrückt, sodass diese nach dem Keimen schnell an die Oberfläche gelangen und ihre Blätter gen Licht recken können. Allerdings werden die jungen Kaffeepflänzchen noch vor der direkten, intensiven Sonneneinstrahlung geschützt, da sie den Jünglingen noch zu sehr zusetzen würde und diese eingehen würden. Erst nach ca. 4 bis 6 Wochen werden diese in Einzelbehälter umgepflanzt oder auf dem Feld eingepflanzt. 

Kaffeepflanzen als Stecklinge (Setzlinge) vermehren

Eine weitere gängige Methode um Pflanzen mutationsfrei und "sortenrein" zu vermehren, ist das Ansetzen von Stecklingen. Das Prinzip haben die meisten zuhause schon selbst an Zimmerpflanzen oder Gartenpflanzen angewandt. Jedoch ist das Ziehen von Kaffeesetzlingen etwas komplizierter. Von einer Mutterpflanze werden dabei junge Triebe abgeschnitten, die nicht allzu dick sein dürfen. Wichtig ist, dass jeder Trieb genau ein Blattpaar aufweist. Anschließend werden diese einmal gespalten, sodass an jeder Hälfte genau ein Blatt stehen bleibt. Diese halben Stecklinge werden nun soweit in den Boden eingebracht, dass nur noch das Blatt herausschaut. Die jungen Triebe lässt man so dann auch wieder einige Zeit stehen, bis diese eine ausreichende Größe aufweisen, um sie in einzelne Tüten oder Gefäße mit ca. 5l Volumen umzupflanzen. Eine weitere Methode Stecklinge zu ziehen besteht darin, den Mitteltrieb um ca. 15 bis 20 cm abzuschneiden und diesen dann in ein Humus-Sand-Gemisch einzupflanzen. Das weitere Wachstum verläuft dann wieder bei allen Vorgehensweisen gleich, da mittlerweile eine gute Pflanze herangewachsen ist. 

Man beachte allerdings:
Überall haben die Bauern ihre eigenen Methoden zur Vermehrung gefunden. Ob durch Stecklinge oder durch Samen. Das Prinzip dabei ist jedoch immer das Gleiche.

Das Wachstum der Kaffeepflanze

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Nachdem die jungen Pflanzen ihr Kinderzimmer nach ca. 4 bis 6 Wochen verlassen haben und in Kübel oder Tüten umgepflanzt wurden, gedeihen diese vorerst ca. 1 Jahr in diesen Behältern bevor sie dann auf der Plantage eingepflanzt werden. Hier gibt es wiederum große Unterschiede wie die Pflanzen genau heranwachsen, da sie immer unterschiedlich angebaut werden. Arabica mag es lieber etwas höher und fühlt sich daher in bergigen Regionen am wohlsten. Das ist dann aber mit mehr Aufwänden verbunden, da die Plantagen meist nur durch kleine Wege zu erreichen sind und motorisierte Maßnahmen somit ausfallen. Hier heißt es dann also alles manuell, also von Hand oder zu Fuß zu bewerkstelligen. Denn die jungen Pflanzen müssen auf die Plantage gebracht und dann von Hand eingepflanzt werden. Robusta ist mit geringeren Höhen zufrieden, und kann dabei teilweise auf maschinelle Unterstützung, zumindest beim Transport, zählen. 

Die Pflanzen wachsen dann weitere 3 Jahre bis sie bereit sind Blüten auszutreiben und anschließend Kirschen auszubilden. Bis zur reifen Kirsche dauert es allerdings nochmal ca. 1 Jahr. Man muss also schon ein wenig Geduld mitbringen wenn man von Grund auf neue Kaffeepflanzen bis zur Ernte anbauen möchte. Sie erreichen innerhalb dieser Zeit eine Höhe von ungefähr 2,5 bis 3 Meter. Auf diese Größe werden sie regelmäßig zurückgeschnitten, da man die Kirschen später nur sehr aufwändig bis gar nicht mehr ernten könnte.. Kaffeepflanzen können eine Höhe von stattlichen 8 bis 10 Meter erreichen. Die Ernte wäre dann allerdings unmöglich.

Das optimale Klima und die optimalen Bedingungen für die Kaffeepflanzenzucht

Für die beiden Hauptvertreter der Kaffeepflanze Coffea, Arabica und Canephora auch Robusta genannt, gelten unterschiedliche Anbaubedingungen. Wie bereits beschrieben, bevorzugen sie unterschiedliche Anbauhöhen und damit gehen natürlich unterschiedliche Lichtintensitäten, Temperaturbedingungen, Wasserbedarf und teilweise auch unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten einher. 

 ArabicaRobusta
Anbauhöhe 400 - 2100m 0-900m
Temperatur 18-25 Grad Celsius ca. 26 Grad Celsius
Minimale Temperatur Über 0 Grad Über 8 Grad
Wasserbedarf 1000-2000 mm/qm/Jahr 1500-2000 mm/qm/Jahr
Luftfeuchtigkeit 90 - 100% Um 100%
Bodenbeschaffenheit tief/humusreich tief/humusreich

 

In jedem Fall muss darauf geachtet werden, dass der Boden genügend Stickstoff, Phosphor und Kalium aufweist. Ein hoher Humusgehalt im Boden sollte ebenso vorhanden sein, damit sich die Kaffeepflanze auch richtig wohlfühlt. Diese Bedingungen findet man optimal  an den bewaldeten Hängen in den Tropen und Subtropen. Aber auch Vulkanerde hat diese ausgezeichneten, fruchtbaren Eigenschaften, weshalb Kaffee nicht selten an Vulkanhängen angebaut wird. Beispielsweise in Guatemala oder Nicaragua. Staunässe muss in jedem Fall verhindert werden, aber das trifft auf so ziemlich alle Nutzpflanzenarten zu.

Die Ernte der Kaffeekirschen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kaffeeernte?

kaffeepflanze mit kirschen

Ganz einfach gesagt, wenn die Kaffeekirsche die richtige Farbe hat. Die Kirschen haben dabei ein sattes rot. Wie schon gesagt, bilden die Pflanzen die Kirschen nach ca. 4 Jahren Wachstumsphase aus. Bei der Ernte wird unbedingt darauf geachtet, dass die Kirschen nicht zu grün oder zu dunkel sind. Zu helle oder grüne Bohnen sind noch nicht reif für die Ernte und die darin enthaltenen Bohnen nicht vollständig ausgebildet. Zudem sind diese Bohnen auch meist kleiner, was später die Selektion erschwert. Es gilt nämlich eine gleichbleibende Größe einzuhalten, damit die Röstung im späteren Verlauf auch wunderbar gleichmäßig vonstattengehen kann.

Die Kirschen werden dabei von Hand dem Strauch entnommen. Zu grüne Kirschen werden am Strauch gelassen, damit diese sich weiter vollständig entwickeln können. Sie werden bei späteren Erntegängen einfach erneut betrachtet und bei entsprechender Reife geerntet. Man sieht schon dass die Ernte ein sehr aufwändiger Prozess ist, welcher nicht einmalig stattfindet, sondern mehrmals an der gleichen Pflanze wiederholt werden muss. Aber diese Vorgehensweise wird auch belohnt. Denn bei maschinellen Ernteverfahren werden einfach alle Bohnen geerntet, unabhängig ob diese noch unreif oder schon überreif sind. Schon allein aus diesem Grund weisen viele industrielle Kaffeesorten nicht das feine, ausgeprägte Geschmacksprofil, das manuell geerntete Bohnen aufweisen. 

Was passiert nach der Ernte?

Anschließend geht es dann in die weiteren Verarbeitungsschritte. In diesen wird dann erst die eigentliche Kaffeebohne gewonnen und für die Röstung vorbereitet. Aber auch hier gibt es viele wesentliche Unterschiede in den Vorgehensweisen.

Das erläutern wir dann im nächsten Abschnitt, der Kaffeeverarbeitung. Hier erklären wir euch, wie die Bohnen gewonnen und aufbereitet werden, bevor sie abgefüllt und ihre lange Reise zu den Röstern antreten.

Kann man Kaffeepflanzen auch Zuhause züchten?

Selbstverständlich! Allerdings muss man beachten, dass die Pflanzen sehr anspruchsvoll sind und die Aufzucht aus dem Samen recht lange dauert. Die Zeit bis der Samen keimt dauert deutlich länger als wenn er in seinen angestammten Anbauregionen gezüchtet wird. Daher wird die Aufzucht aus Stecklingen häufig empfohlen, da dies zum einen sicherer und zum anderen deutlich schneller läuft. Auch muss man beachten, dass Samen nur eine relativ geringe Haltbarkeit aufweisen, bis sie für den Anbau ungeeignet sind. Man sollte unbedingt auf eine gleichbleibende Temperatur achten. Aber das ist in unseren Regionen über das gesamte Jahr gesehen relativ schwierig. Hier müsste man künstlich nachhelfen, will man wirklich Kaffeebohnen aus den Pflanzen gewinnen. Dabei verwendet man am besten ein Gewächshaus, um vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und auch für relativ gleichbleibende Temperaturen zu sorgen. Als Zierpflanzen eignen sich Kaffeepflanzen allerdings allemal. Man muss nur den gewissen grünen Daumen haben und sehr sorgsam mit seinen Kaffeepflanzen umgehen.

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